|
Wie funktioniert Agility genau? (Regeln und Hindernisse)
Der Agility-Hindernisparcours stellt sich aus 12 bis 20 Hindernissen
zusammen, die in richtiger Reihenfolge bewältigt werden müssen.
Die genaue Reihenfolge wird erst unmittelbar vor dem Wettkampf
preisgegeben. Der Parcours wird auf einem Gelände von mindestens
20 x 40 m aufgebaut. Die Streckenlänge liegt zwischen 100
und 200 m. Innerhalb einer festgesetzten Standardzeit soll der
Hund den Parcours ohne Leine, Halsband oder andere Hilfsmittel,
außer der Stimme und Gestik seines Halters / seiner Halterin
zurücklegen. Die Standardzeit wird je nach Klasse Agility-1,
Agility-2, Agility-3 unterschiedlich errechnet. In der Klasse
A-1 müssen die Teilnehmer in der Regel den Parcours mit 1,8
m/sec. zurücklegen, bei A-2 sind es 2,75 m/sec., bei A-3
3,5 m/sec. Braucht das Team länger, wird ihm das mit einem
Strafpunkt pro Sekunde geahndet. Die Höchstzeit oder Maximalzeit
(normalerweise das Doppelte der Standardzeit, mindestens das 1,5fache)
darf jedoch nicht überschritten werden, da sonst das Team
leider ausscheiden muß. Gewonnen hat das Team, das innerhalb
der Standardzeit die wenigsten Fehler gemacht hat. Wenn mehrere
Teams mit 0 Strafpunkten das Ziel erreicht haben, gewinnen die,
die den Parcours am schnellsten bewältigen konnten.
Strafpunkte gibt es für viele verschiedene Arten von Fehlern.
Schwerwiegende Fehler, wie etwa das Auslassen eines Hindernisses,
drei Verweigerungen oder gar das Mißhandeln eines Hundes
führen zur sofortigen Disqualifikation. Auch wenn der Hund
das Parcoursgelände als Löseplatz benutzt oder nicht
mehr in der Hand seines Besitzers / seiner Besitzerin steht oder
das Team einen falschen Parcours einschlägt, d.h. ein Hindernis
ausläßt oder eine falsche Reihenfolge vorzieht, müssen
die beiden leider für dieses Mal aufhören. Ansonsten
bekommen die Teams für Fehler, wie spezielle Hindernisfehler,
Verweigerungen oder das Berühren eines Hindernisses oder
des Hundes durch den Hundeführer / die Hundeführerin
jeweils 5 Strafpunkte. Bei mehr als 26 Strafpunkten erfolgt wiederum
die Disqualifikation.
Nun zu den verschiedenen Hindernissen und deren spezielle Fehlerquellen.
Erst einmal gibt es da verschiedene Sprunghindernisse,
wie die Stangenhürde, die Bürste, die Mauer oder der
Viadukt, der Reifen und der Weitsprung. Wichtig ist hier, genauso
wie im Pferdesport auch, daß der Sprung korrekt ausgeführt
wird, d.h., daß keine Einzelelemente der Sprünge herunter-
oder umgeworfen werden. Bei der Stangenhürde, der
Bürste und der Mauer/dem Viadukt besteht
außer der Gefahr des Abwurfs der beweglichen Elemente noch
die Gefahr des Unterlaufens. Wenn der Hund also so ein Hindernis
unterlaufen hat, wird dies genauso gewertet, als ob er es seitlich
umgangen hätte oder einfach davor stehengeblieben wäre.
Das Hindernis muß dann noch einmal ausgeführt werden
und das Team bekommt 5 Strafpunkte wegen einer Verweigerung. Wird
ein Element abgeworfen, gibt es zwar gleichfalls 5 Strafpunkte,
aber das Hindernis darf nicht wiederholt werden und der Fehler
wird nicht als Verweigerung gezählt. Bei dem Reifen ist
dies etwas anders. Hier kann der Hund nichts abwerfen, da der
Reifen fest installiert sein muß. Er hat jedoch die Möglichkeit
den Reifen zu unterlaufen oder seitlich vorbeizuspringen. Auch
hier gilt, das Hindernis muß wiederholt werden und das Team
bekommt 5 Strafpunkte für eine Verweigerung. Der Weitsprung
besteht aus 3 - 5 Elementen in der Höhe von 15 - 28 cm. Die
Einzelelemente werden zu einer Weite zwischen 120 bis 150 cm nacheinander
aufgestellt und sollen in einem übersprungen werden. Die
Ecken sind durch Pflöcke, die mindestens 120 cm hoch sind,
markiert. Der Hund darf den Sprung nur in der angegebenen Richtung
überqueren, springt er schräg oder gar quer, so muß
er den Sprung wiederholen und der Fehler wird mit einer Verweigerung
und 5 Strafpunkten geahndet. Wird der Weitsprung durch den Hund
überlaufen oder wirft der Hund ein Element um, so bekommt
er 5 Strafpunkte, darf aber mit dem Parcours fortfahren.
Bei den Hunden sehr beliebt und bereits mit dem Welpen ausführbar,
sind die beiden verschiedenen Tunnel. Einerseits gibt es
den flexiblen Plastiktunnel, den man geradeaus oder aber
in verschiedene Winkel legen kann und der von den Hunden durchquert
werden muß. Andererseits ist da der Stofftunnel,
der zwar eine feste Öffnung hat, nach hinten hin jedoch aus
Stoff ist und dementsprechend flach auf dem Boden liegt. Wenn
die Hunde bemerkt haben, daß ihnen hier nichts passiert,
durchqueren sie diese beiden Hindernisse meist mit großer
Freude. Bei unseren Übungsstunden auf dem Hundeplatz gehört
es dazu, daß die Hunde zuerst einmal frei miteinander spielen
dürfen, bevor wir mit der Arbeit anfangen und häufig
ist es so, daß unsere Vierbeiner gerade die Tunnel mit in
ihr Spiel einbauen. Fehler gibt es hier nur ganz selten. In wenigen
Fällen passiert es, daß ein Hund einen der Tunnel verweigert
(5 Strafpunkte und Verweigerung), aber viel häufiger besteht
das Problem, daß ein Hund vorzeitig, d.h. bevor der Tunnel
überhaupt an der Reihe ist, das Hindernis durchquert, da
es zufällig (oder vom Richter/ von der Richterin geplant)
in der Nähe eines anderen Hindernisses steht. In so einem
Falle wird das Team wegen Einschlagen eines falschen Parcours
leider disqualifiziert.
Wohl die größten Schwierigkeiten haben die Hunde mit
den Kontaktzonenhindernissen. Nicht etwa, weil diese besonders
schwer zu bewältigen wären, sondern meist, weil die
Hunde eben so voller Begeisterung und Elan sind, daß sie
genau diese Kontaktzonen, die sie eigentlich betreten sollen,
überspringen. Zu diesen Hindernissen gehören die Schrägwand,
der Laufsteg und die Wippe. Die Schrägwand
ist durch ihre breite Lauffläche am einfachsten zu erlernen.
Der schmale Laufsteg (30-40 cm breit) kann da schon bedeutend
mehr Schwierigkeiten machen. Aber auch hier ist zu sagen, wenn
die Hunde einmal sicher geworden sind, ist der Laufsteg ein sehr
beliebtes Hindernis. In unserer Spielphase legen wir oft die Seitenteile
des Stegs auf den Boden, um zu vermeiden, daß es zu Unfällen
kommt, wenn mehrere Hunde gleichzeitig und womöglich noch
aus verschiedenen Richtungen über den Steg laufen wollen.
Die Wippe ist da schon ein ganz anderes Problem. Zwar haben wir
viele Hunde, die ohne Angst vom ersten Tag an über dieses
Hindernis laufen und, nachdem sie erst einmal verstanden haben,
wie sie die Wippe zum Kippen bekommen, auch ohne unsere Hilfe
zurechtkommen. Aber es gibt doch auch immer wieder Hunde die sehr
lange brauchen, bis sie zu diesem Gerät Vertrauen gefaßt
haben. Springt ein Hund nun vorzeitig, d.h. bevor nicht mindestens
eine Pfote die Kontaktzone berührt hat, vom Hindernis ab,
so wird dies mit 5 Strafpunkten vermerkt, der Hund kann aber den
Parcours fortsetzen. Springt er allerdings ab, bevor er überhaupt
den abfallenden Teil betreten hat (bei der Wippe, bevor sie gekippt
ist), so muß er das Hindernis wiederholen und wird mit einer
Verweigerung bestraft.
Der Slalom muß wahrscheinlich am längsten geübt
werden, bis er professionell ausgeführt werden kann. Doch
durch konsequentes Üben und viel Lob haben wir es bis jetzt
bei jedem unserer Vierbeiner geschafft, daß sie den Slalom
in einem mehr oder weniger schnellen Tempo absolvieren. Aber ich
muß schon sagen, ich bin immer wieder begeistert, wenn ich
einen Hund sehe, der den Slalom in einem rasanten Tempo und trotzdem
fehlerfrei bewältigt. Der Slalom besteht aus acht, zehn
oder zwölf Stangen, die mindestens 100 cm hoch sind und in
einem Abstand von 50 bis 65 cm aufgestellt werden. Der Hund muß
von der rechten Seite, d.h. die erste Stange befindet sich links
vom Hund, einfädeln. Tut er dies nicht, wird er mit einer
Verweigerung bestraft und muß noch einmal von vorne beginnen.
Dann ist es wichtig, daß wirklich jedes Tor durchlaufen
wird. Läßt der Hund ein Tor aus, muß er entweder
an der richtigen Stelle wieder angesetzt werden oder er beginnt
noch einmal von vorne. Für solch einen Fehler gibt es 5 Strafpunkte.
Am Ende muß der Hund wieder auf der richtigen Seite aus
dem Slalom herauskommen, ist dies nicht der Fall, so heißt
das für den Richter, daß irgendwo ein Fehler gewesen
sein muß oder der Hundeführer / die Hundeführerin
hat ihren Hund nach einem Fehler falsch angesetzt. In solch einem
Fall muß mindestens der letzte Teil des Slaloms noch einmal
wiederholt werden, sonst scheidet das Team nach dem Überqueren
des nächsten Hindernisses aus.
Das letzte Hindernis, das ich beschreiben möchte, ist der
Tisch. Hier gibt es meist keine Probleme. Höchstens,
wenn man einen schwer zu bändigenden Hund hat, der nur darauf
aus ist, das nächste Hindernis anzugehen. Für solche
Hunde können nämlich die 5 Sekunden, die sie auf dem
Tisch verweilen müssen, zur Ewigkeit werden. Ansonsten wird
der Tisch oft als kleine Erholungspause gesehen, in der man sich
nochmals kurz ins Gedächtnis rufen kann, wie der Parcours
weitergeht. Die 5 Sekunden müssen die Hunde in der Klasse
A-1 im Platz, in den Klassen A-2 und A-3 in einer der Positionen
Platz, Sitz oder Steh (wird vom Richter/ von der Richterin festgelegt)
verharren. Der/die Richter/Richterin zählt die Sekunden ab,
verändert ein Hund vorzeitig seine Position, muß er
diese wieder einnehmen, damit der/die Richter/Richterin weiterzählt.
Verläßt der Hund vorzeitig den Tisch, so gibt dies
5 Strafpunkte und er muß für die restliche Zeit zurück
auf den Tisch. Eine weitere Möglichkeit hier Fehler zu bekommen,
besteht darin, daß der Hund von der falschen Seite auf den
Tisch aufspringt. Er springt also entgegen der Laufrichtung auf
den Tisch, wird aber nicht wegen Angehen eines Hindernisses aus
der falschen Richtung disqualifiziert, sondern bekommt lediglich
5 Strafpunkte und darf aber auf dem Tisch bleiben.
In vielen Büchern findet man zu den von mir erwähnten
Hindernissen auch noch den Wassergraben oder andere seltsam aussehende
Sprunghindenisse, wie z. B. einen zu überspringenden Brunnen,
aber solche Hindernisse habe ich selbst noch nie irgendwo auf
einem Turnier gesehen, auch sind sie nur in wenigen Vereinen
zu finden. Nach all diesen Erläuterungen werden
Sie sich jetzt wohl fragen, wie es denn überhaupt möglich
ist, einen ganzen Parcours zu bewältigen, ohne disqualifiziert
zu werden, ganz zu schweigen davon, daß man eventuell 0
Strafpunkte haben könnte! Glauben Sie mir, es ist gar nicht
so schwierig, wie es sich hier anhört. Ihr Hund wird in relativ
kurzer Zeit in der Lage sein, solch einen Parcours zu bewältigen.
Zurück zur Agility-Homepage
|